Geschichte einer Bau-Ikone

Das Haus des Lehrers hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich – wie jedes Berliner Gebäude, das auf sich hält. Vom alten Lehrervereinshaus hat es seinen Namen, die DDR drückte seiner Architektur einen markanten Stempel auf. Und heute stehen wir davor und schauen gemeinsam zurück.

Ein Kunstwerk einmal rund ums Haus

Der Fries im Detail

Die berühmte Bauchbinde führt einmal rund um das Haus des Lehrers. Dabei zeigt sie "Unser Leben" – zusammengesetzt aus rund 800.000 Mosaiksteinchen.

Die Nordseite

Die Nordseite des Frieses ist dem Bereich Forschung und Technik gewidmet. Dem wissenschaftlichen Themenkreis ordnet Womacka stellvertretend einen Arzt und einen Chemiker zu und reichert die Darstellung mit zusätzlichen Motiven wie Parabolspiegel und Antennenmast an. Demgegenüber steht der Ingenieur – zuweilen auch als Hommage an den Architekten Hermann Henselmann gedeutet – für die Welt der Technik, deren unbeirrbarer Zukunftsglaube sich im Bild der aufsteigenden Rakete im Hintergrund manifestiert.

Die Südwand

Die Südwand ziert eine ganzflächige Szene. Sie zeigt drei Werktätige, unter ihnen eine junge Arbeiterin und einen kräftigen Stahlkocher, im Gespräch mit einem Maler. Dieser ist im Begriff ein großformatiges Wandbild mit wenigen Pinselstrichen zu vollenden. Womackas Darstellung vereint zwei scheinbar verschiedene Lebenswelten: Kunst und Arbeit.

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Die Ostseite

Eines der zentralen Themen des Ostfrieses ist die Völkerfreundschaft. Womacka entwarf zu dessen Illustrierung auf der linken Seite einen bunten Reigen figürlicher Szenen, in denen er Personen verschiedener Ethnien vereint. Deutlich schwingen hier jene humanistischen und antifaschistischen Ideale mit, denen sich der SED-Staat verschrieben hatte.

Der Westfries

Der Westfries zeigt Szenen des vermeintlich alltäglichen Lebens in der DDR. Im Zentrum dieses Teilstücks steht ein junges Paar. Die Arme weit ausgebreitet, weist der Mann auf die Verbindung zwischen dem blühenden Baum links von ihm und den drei ineinander greifenden mikro- und makrokosmischen Modelldarstellungen rechts von ihm hin. Die junge Frau lässt unterdessen eine Friedenstaube fliegen, ein in der DDR omnipräsentes Symbol, das den Gedanken des Friedens mit jenem des gesellschaftlichen Aufbaus in eins setzte.

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Aufbruch in sechs Bildern

Anfang der 1960er-Jahre entsteht das Haus des Lehrers am Alexanderplatz: eine Zukunftsvision mit Strahlkraft und ein sichtbares Zeichen der neuen Zeit. 

Drei kreative Väter

Herrmann Henselmann

Eine Portraitaufnahme von Herrmann Henselmann 1952.
© BArch, Bild 183-16383-0001/Zentralbild Gielow

„Es gibt drei bedeutende Männer in Deutschland: Thomas Mann, Heinrich Mann, Henselmann!“ – Diesen Spruch pflegte Hermann Henselmann selbst bei vielen Gelegenheiten von sich zu geben. Ein Zeichen, dass Bescheidenheit nicht gerade seine größte Zier war!

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Walter Womacka

Walter Womacka im Portrait.
© Jens Schulz, (c) WBM

„Am Strand“ wurde millionenfach als Briefmarke gedruckt, „Unser Leben“ gilt als das flächenmäßig größte Kunstwerk Europas und prangt seit 1964 weithin sichtbar über dem Alexanderplatz: Somit kannte fast jeder in der DDR den Maler Walter Womacka.

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Kerk-Oliver Dahm

Eine Portraitaufnahme von Kerk-Oliver Dahm.
© Klaus Baedicker, (c) WBM

Unter Leitung des Berliner Architekten Kerk-Oliver Dahm wurde das Ensemble Haus des Lehrers & bcc im Jahr 2002 aufwendig saniert und modernisiert. Hierbei galt es, die Ansprüche aus Denkmalschutz und wirtschaftlichen Maßgaben in Einklang zu bringen.

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Umbau zum modernen Bürohaus

Im Jahr 2002 beginnen die Sanierungsarbeiten am Ensemble Haus des Lehrers und bcc. Hierbei galt es, die Ansprüche aus Denkmalschutz und wirtschaftlichen Maßgaben in Einklang zu bringen.

Ablauf der Bauarbeiten

Bei der Sanierung des Haus des Lehrers war es zunächst erforderlich, zwei platzraubende Erschließungskerne zu entfernen, um eine nach heutigen Brandschutzerfordernissen gemäße Nutzung als Bürogebäude zu ermöglichen. So sind heute 70 Prozent der Fläche nutzbar, früher waren es nur 40 Prozent.

Mit Einbau eines zentralen Entschließungskerns mit infrastrukturellen und technischen Funktionen wurde eine komplette Neustrukturierung der einzelnen Geschosse mit einer Nutzfläche von jeweils ca. 560 m² ermöglicht. Sanitäranlagen, welche früher entlang der Südfront platziert waren, befinden sich nun im Verbindungstrakt zwischen den zwei getrennten Mieteinheiten pro Etage. Die Ebenen mit einem Achsmaß von 2,10 Metern und nur zwei tragenden Stützen lassen sich in unterschiedlich große Einheiten aufteilen. Pro Geschoss sind so bis zu 21 Büros möglich. Die beiden fensterlosen Ebenen hinter dem Fries eignen sich nach dem Umbau vor allem für Archiv- und Magazinzwecke.

Die Curtain-Wall-Fassade (gläsernde selbsttragende Vorhangfassade) mit den meergrünen Brüstungsfeldern und schmalen Aluminiumprofilen wurde farblich in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzt. Bei der Renovierung richtete sich Architekt Kerk-Oliver Dahm streng nach den Originalplänen von Hermann Henselmann. Sogar die zu DDR-Zeiten eingebauten braun verspiegelten Fensterscheiben, welche das Gebäude seiner silbrigen Anmutung beraubt hatten, wurden wieder durch Klarglas ersetzt.

Der Fries wird restauriert

Der beschädigte Womacka-Fries wurde in einer Quedlinburger Kunstglaserei restauriert. Da die im Haus tätigen Hausmeister über Jahre hinweg herausfallende Mosaiksteine gesammelt und im Keller aufbewahrt hatten, konnte ein Großteil des Frieses aus Originalteilen rekonstruiert werden.

Nach drei Jahren Bauzeit konnte das Haus seine Besucher in vertrautem Outfit begrüßen.

Woher das Haus des Lehrers seinen Namen hat

Wo heute das Haus des Lehrers steht, befand sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Lehrervereinshaus. Es wurde 1944 bei Bombenangriffen zerstört und später abgetragen.

Das alte Lehrervereinshaus

Erbaut wurde das Lehrervereinhaus 1908. Der aufwendige Jugendstilbau von Hans Toebelmann und Henry Groß diente als Kommunikationszentrum für Lehrer. Der damalige Berliner Lehrerverein, welcher zu dieser Zeit auf über 3.000 Mitglieder angewachsen war, beauftragt den Bau. Dieser umfasste auf einer Fläche von 3.195 m² drei durch Höfe getrennte Gebäude. Im Erdgeschoss gab es Restaurants, ein Café und eine Bäckerei. In der Mitte des Grundstücks befand sich der 1.180 m² große Saalbau. Der größte Saal fasste 1.700, der kleine Festsaal 700 Personen.

1910 nahm das Lehrervereinshaus die Lehrerbibliothek auf und bot ein reformorientiertes pädagogisches Weiterbildungsprogramm an, das auch über die damalige Reichshauptstadt hinaus ausstrahlte. Die Gedenkfeier für Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg fand hier im Februar 1919 statt. 1933 ging der Berliner Lehrerverein im NS-Lehrerbund auf.

Berliner Lehrerverein

Im Englischen Hof, Alexanderstraße 27 A, gründete sich am 24.09.1880 durch Vereinigung des 1849 gestifteten Berliner Kommunallehrervereins und des 1871 gebildeten Berliner Bezirksverbandes des Deutschen Lehrervereins der Berliner Lehrerverein. Dieser wollte den sozialen Status seiner Mitglieder verbessern helfen und die Volksbildung modernisieren.