Hermann Henselmann leitender Architekt.

Hermann Henselmann zählt zu den einflussreichsten und bekanntesten Architekten der DDR. Er studierte nach einer Schreinerlehre an der Handwerker- und Kunstgewerbeschule Berlin. Nach seinem Studium arbeitet er in verschiedenen Architekturbüros. Später eröffnet er sein eigenes Architekturbüro, welches er aber wegen Schwierigkeiten mit den regierenden Nationalsozialisten aufgeben muss. In den 30er Jahren lebte er einige Zeit mit seiner Familie in Wilhelmshorst bei Berlin.

Nach dem Krieg wird Henselmann von 1945 an Direktor an der Hochschule für Bildende Künste in Weimar und ab 1949 Leiter am Institut für Bauwesen der Deutschen Akademie der Wissenschaften in Ost-Berlin. Durch seinen Erfolg mit dem Projekt Stalinallee wird er 1953 zum Chefarchitekten beim Magistrat von Groß-Berlin ernannt. Von 1964 bis 1967 leitet er das Institut für Typenprojektierung, an dem er sich der industriell ausgerichteten Produktion des Wohnungsbaus zuwendet. Bis 1972 ist er stellvertretender Direktor des Instituts für Städtebau und Architektur der Bauakademie. 1972 wird Hermann Henselmann pensioniert und wohnte u. a. in einem der von ihm entworfenen Hochhäuser am Strausberger Platz in Berlin-Friedrichshain.

Als leitender Architekt beim Haus des Lehrers projektierte und realisierte er mehr oder weniger im Alleingang sein "Haus des Lehrers", welches in sämtlichen Planskizzen und Modellfotos sowohl für das Wohngebiet "Karl-Marx-Allee II" wie auch für alle nachfolgenden Alexanderplatz-Entwürfe einen nie revidierbaren Fixpunkt bildete. Ein schwer durchschaubares Fait accompli, durch das er sich als Architekt bereits zum zweiten Mal als "Bahnbrecher" des neuen offiziellen Trends erweisen durfte.

Henselmann hatte 1951 buchstäblich über Nacht mit seinem Hochhaus an der Weberwiese die folgenreiche Absage an den "Modernismus" formuliert und sanktionierte nun, zehn Jahre später, die genau entgegengesetzte Tendenz. Um den abrupten Auffassungswandel richtig ermessen zu können, stelle man in Gedanken einmal seine Türme am Frankfurter Tor, gebaut von 1957 - 1960 neben das Haus des Lehrers, gebaut 1961 - 1964 — Bauten wie aus grundverschiedenen Welten.