Die "Bauchbinde" am Haus des Lehrers

Das markanteste Erkennungszeichen ist die im Bereich der 3. und 4. Etage umlaufende 125 m lange "Bauchbinde" mit einem 7 m hohen Fries von Walter Womacka.

Wem also die neue Zeit allzu kühl und seelenlos daherkam, dem half vielleicht die Kunst. Natürlich bezog auch der Bildfries seine Inspirationen aus der fernen Welt. Henselmann selbst hat sich auf Siqueiros, Rivera und Leger berufen, wobei er deren Monumentalkunst-Konzept im Geiste der aktuellen Technikbegeisterung modifizierte. Das Bildwerk sollte aus einem oder mehreren dieser Materialien aufgebaut sein und selbst wie ein Vorhang wirken. Den Auftrag für das bald als "Bauchbinde" bespöttelte Bildwerk erhielt Walter Womacka. Unterstützt von Günter Brendel, Harald Hakenbeck und Gerhard Bondzin, fabrizierte er ein Panorama von Alltagsszenen aus dem "glücklichen Leben in der DDR" im schulfibelhaften Realismus der Ulbricht-Ära.

Dass über dessen Ungenießbarkeit wohl nur eine bildungsbürgerliche Minderheit die Nase rümpfte, belegt ein winziges Detail des insgesamt 125 Meter langen Endlosbildes. Auf der dem Platz abgewandten Seite findet sich eine zwar spiegelverkehrte, ansonsten unverkennbar figurengetreue Variante des Motivs "Junges Paar am Strand". Dessen endgültige Fassung als Tafelbild von 1962 hing später auf der VI. DDR-Kunstausstellung in Dresden und wurde in den Folgejahren das mit Abstand meistreproduzierte Zimmerschmuckbild der gesamten DDR-Malerei.

Das Original: Paar am Strand
 Das Original: Paar am Strand