Quirlig, lebendig, immer in Bewegung.

Bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts blieb der Alexanderplatz für die Stadt von begrenzter Bedeutung. Erst mit dem Bau der Stadtbahn, die 1882 am Alexanderplatz einen Fernbahnhof erhielt, entwickelte sich der Platz zum Verkehrs- und Einkaufszentrum.

Rund um den Alexanderplatz sind 1886 die alte Gassen verschwunden. An ihrer Stelle entstanden der Bahnhof und die Zentrale Markthalle. In der ganzen Stadt entstanden insgesamt 15 Markthallen — die größte und bedeutendste am Alexanderplatz. Die Zentralmarkthalle — das Zentrum der Lebensmittelversorgung, der Magen Berlins — zog sich mit mächtigen Speichern bis zum Bahnhof Börse hinunter. Die Markthalle ist erst 1969 abgerissen worden, um weiteren Bauten am Fernsehturm Platz zu machen.

"Der Platz selber ist zum Zentrum des Ostens von Berlin geworden — ein Platz des Fremdenverkehrs mit zahllosen Läden und Magazinen, einem Theater, einer spanischen Bodega, einer bayrischen Bierhalle, im Dämmerlicht der Stadtbahnbögen mit dem Rollen der Züge von fünf zu fünf Minuten — ein gewaltiger Wagenpark von Omnibussen und Pferdebahnwagen, aufgefahren zu beiden Seiten und stets in Bewegung," schildert Feuilletonist Julius Rodenberg den Alexanderplatz Ende des 19. Jahrhunderts.

Natürlich durfte an solch einem Verkehrsknotenpunkt und zentralen Handelsort ein Hotel nicht fehlen. Zwischen 1882 und 1884 wurde das Grand Hotel gebaut. In seinen 185 Zimmern fanden meist reisende Kaufleute Unterkunft. Und sein weltstädtisches Restaurant und das Wiener Café waren nicht nur bei den Reisenden beliebt.

Erheblich größer dimensioniert war das Warenhaus von Hermann Tietz, das 1904 entstand. Entlang der Alexanderstraße hatte es mit seiner 250 Meter langen Front die längste Kaufhausfront der Welt. Doch etliche alte Häuser mussten dem Neubau weichen. Vier Jahre später, 1908, wurde das Lehrervereinshaus fertiggestellt. Schon 30 Jahre zuvor hatten Berliner Lehrer beschlossen, ein eigenes Haus zu bauen — eine Stätte der Zusammenkunft, einen Ort der Weiterbildung.

1913 erhielt der Alexanderplatz Anschluss an die U-Bahn. Gleichzeitig entwickelte er sich zu einem Knotenpunkt der ab 1890 elektrifizierten Straßenbahn. Zu Spitzenzeiten kreuzten stündlich 136 Straßenbahnen, 60 Doppelstockbusse und 3.400 PKW den Alex.

Während der Alexanderplatz selbst immer mehr zu einem großstädtischen, gar weltstädtischen Platz wurde, zog er vor allem die ärmeren Bevölkerungsschichten an. Teilweise hatte sich hier auch die Unterwelt etabliert. Genaustens beschrieben von Alfred Döblin in "Berlin Alexanderplatz. Die Geschichte des Franz Biberkopf". "Die Penner haben sich vor Kälte verkrochen. Wenn es warm ist, stecken sie wieder ihre Nase raus. Inzwischen süffeln sie doppelte Ration Schnaps, aber was für welchen, man möchte nicht als Leiche drin schwimmen." Mit seinem Roman hat der Nervenarzt und Schriftsteller 1929 dem Alexanderplatz ein literarisches Denkmal gesetzt.